Propädeutikum Philosophie
Gymnasiasten erleben Philosophie als "wichtige Zutat" fürs Leben
Einführungskurs an der Marburger Philipps-Universität hat sich bewährt. "Wahrheit durch Klarheit"

OP vom 18. Mai 2005, Brigitte Bohnke
Foto: Bohnke; links: Prof. Janich; rechts Prof. Schmidt

Marburg. Propädeutika, die vorgezogene Einführung in ein Studienfach, kommen bei Gymnasiasten gut an. Zum Beispiel: das Angebot Philosophie.

Sie habe nicht erwartet, Philosophie fertig präsentiert zu bekommen, sagt Anna Binkowski, Oberstufenschülerin an der Martin-Luther-Schule. "Es gab Material zum Denken", fügt sie hinzu. Und genau das ist es, was sie als Plus nach Abschluss des Einführungskurses Philosophie an der Uni herausstreicht.

Anna Binkowski gehörte zu der Gruppe der Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 12 und 13, die sich freiwillig einmal in der Woche von 18 bis 20 Uhr mit der Geschichte der Philosophie sowie philosophischen Erkenntnissen und Fragestellungen beschäftigten. Der Lohn für diesen Einsatz über acht Wochen ist in erster Linie "Erkenntnisgewinn", auch wenn die erfolgreiche Teilnahme am Propädeutikum Philosophie mit einem Zeugnis der Universität dokumentiert wird. Mit dem Schielen nach einer guten Schulnote hat dieses "Lernen" aber wenig zu tun.

Die Professoren Peter Janich und Arbogast Schmitt bieten seit Jahren in jedem Semester ein Propädeutikum Philosophie an.

Die beiden sind ein bewährtes und erfolgreiches Gespann. Sie decken nicht nur unterschiedliche Themengebiete ab, sie bringen sie auch auf unterschiedliche Art und Weise an die Schüler, wie diese erzählen.

"Viele der jungen Leute bringen ein enormes Wissen mit", sagt Arbogast Schmitt. Und jedes Mal aufs Neue freue ihn, "dass die Jugendlichen zu begeistern sind und rasch lernen, sich methodisch führen zu lassen". Die Denkanstöße, die dadurch erfolgten, streicht Catherine Goedecke (Philippinum) als für sie positive Erfahrung heraus. Das intensive Eingehen auf Details "immer und immer wieder", wie sie sagt, habe sie öfters gestört. Manchmal habe sie gedacht: "Gott sei Dank, dass ich nicht Philosophie studiere."
"Philosophische Fragen haben eben kein Ende", hält Susanne Hinz (Philippinum) dagegen. "Das ist ja bereits eine philosophische Äußerung", freut sich Peter Janich. Für ihn ist die Philosophie eine "wichtige Zutat" für andere Studiengänge, etwa aus den Naturwissenschaften. Die Philosophie liefere Antworten und schule die Beharrlichkeit des Denkens. "Wahrheit durch Klarheit" bringt es Janich auf den Punkt.

Söhnke Behrends (Martin-Luther-Schule), der Mathematik und Physik als Leistungskursfächer belegt hat, war besonders von dem erkenntnistheoretischen Teil begeistert. Das sei zwar keine leichte Kost gewesen, aber gerade deshalb habe er sich gern damit auseinandergesetzt.

Im Wintersemester wird es eine Neuauflage des Propädeutikums Philosophie geben - wieder mit dem Gespann Janich/Schmitt. Die Gymnasien in Marburg sind froh über diese Öffnung der Universität. Angelika Voss kümmert sich am Philippinum um das Angebot, Beate Herbst an der Martin-Luther-Schule. Eine Fortsetzung des Propädeutikums liege auch im Interesse der Schulen, betonen sie. Um die Nachfrage bei den jungen Leuten ist ihnen nicht bang. Philosophie habe sich als Schulfach etabliert.

Und die beiden Professoren ziehen für sich als Gewinn aus der Veranstaltung: "Zu erleben, wie die jungen Leute sich in den Diskussionen aufeinander zu bewegen", sagt Janich. Fragen und aktuelle Probleme spielen in dem Kurs ebenfalls eine Rolle. "Welche Menschenbilder sind unterwegs?", nennt Janich als Beispiel. "Das interessiert die jungen Leute doch auch", fügt er hinzu.



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